Mehr öffentliche Kanzler-Worte gewünscht

Blick IV auf den SPD-Bundesparteitag in Berlin

Der Bochumer Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer, Jahrgang 1952, erlebte im Dezember 2023 seinen 50. SPD-Bundesparteitag als Delegierter. Seit 1969 ist der einstige Verwaltungsbedienstete, zuletzt Referent im Kulturdezernat, Mitglied der SPD.

Berlin am Samstag, 9. Dezember 2023:
Axel Schäfer (rechts) war im letzten Advent zum 50. Mal als Delegierter bei einem SPD-Bundesparteitag zugegen. Für Rote Lippe Rose sprach Hans Zaremba mit dem SPD-Urgestein aus Bochum über seine Erfahrungen und Erwartungen.
Foto: Büro Axel Schäfer

Herausforderungen

Mit 25 Jahren war Axel Schäfer im November 1977 der zweitjüngste Delegierte auf dem SPD-Bundesparteitag in Hamburg. Damals waren die Vorleute der Sozialdemokraten Helmut Schmidt als Bundeskanzler, Parteichef Willy Brandt und Herbert Wehner, Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Allesamt Männer, die bereits in 1970er Jahren in den Geschichtsbüchern vermerkt und mit denen eine Reihe von SPD-Erfolgen verbunden waren. Angesprochen, ob es zur seinerzeitigen Troika und den jetzigen SPD-Verantwortlichen Übereinstimmungen gebe, sagte der profilierte SPD-Linke: „Heute haben wir mehr Krisen, aber auch 1977 war es nicht einfach.“ Nach Stammheim, Terrorismus und das Kapern von Flugzeugen habe es „den deutschen Herbst“ gegeben. Die aktuelle Regierung habe die größten Herausforderungen durchzustehen, vor denen je ein Bundeskabinett gestanden habe. Gleichwohl ist der Ehemann der langjährigen Bochumer Bürgermeisterin Gaby Schäfer überzeugt, dass sie von der von Olaf Scholz geleiteten Koalition bewältigt werden.

Erwartungen

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Umfragewerte von 14 bis 17 Prozent und dem Ernst der SPD-Lage, meinte der frühere Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD-Landesgruppe im Bundestag: „Wir sind geschlossen wie selten“. Problematisch sind für ihn die Streitigkeiten in der Ampel-Verbindung. „Das bleibt auch an uns hängen.“ Von Olaf Scholz erwartet Axel Schäfer mehr öffentliche Erklärungen, wie er sie bereits parteiintern dargelegt habe. Auf europäischer Ebene hätte er in zwei Jahren mehr geleistet als je ein Kanzler vor ihm, was kaum in der Bevölkerung registriert würde. Die innenpolitische Bilanz des SPD-Regenten ist für den gebürtigen Frankfurter besser als ihr Ruf. Selten habe eine Regierung so viele Gesetze in so kurzer Zeit auf den parlamentarischen Weg gebracht.

Hans Zaremba