Gut sechs Jahre dauerte es, bis im Sommer 2017 in Lippstadt der mit Bundesmitteln unterstützte Mehrgenerationentreffpunkt im „Mikado“ in der Goerdelerstraße seine Arbeit aufnehmen konnte. Die Idee für dieses Zentrum beruhte auf eine Initiative der Lippstädter SPD, angelehnt an das Aktionsprogramm „Mehrgenerationenhäuser“ mit seinem Ursprung in Niedersachsen. Dort hatte die von 2003 bis 2005 amtierende Familienministerin Ursula von der Leyen die Förderung von Mehrgenerationenhäusern im Sinne offener Nachbarschaftstreffpunkte veranlasst. Nach dem Wechsel der CDU-Politikerin in das Amt der Bundesfamilienministerin von 2005 bis 2009 initiierte sie das „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser“ auf der Bundesebene. Für die damaligen Ratsherren der Stadt Lippstadt, Karl-Heinz Brülle und Hans Zaremba, der Anstoß, im Juli 2010 anlässlich eines Aufenthalts in Ostfriesland die Arbeit des seit 2007 bestehenden Mehrgenerationentreffpunkts in der Stadt Norden näher zu betrachten.
Hans Zaremba über die Mehrgenerationenarbeit

Von links nach rechts Wolfgang Mieth und Christel Sehm aus dem Mehrgenerationentreffpunkt an der Nordsee informierten ihre Gäste aus Lippstadt, Karl-Heinz Brülle, Hans Zaremba und Anita Brülle, über die Einrichtung in der ostfriesischen Stadt.
Erreichbarkeit
Was den Lippstädter Kommunalpolitikern in der 25.000 Einwohnerinnen und Einwohner großen Stadt unterbreitet wurde, war ein vielfältiges und buntes Programm: Kindertagesstätte, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Seniorenarbeit. Alle hatten sich in der einstigen Kreisstadt für ihre generationenübergreifenden Angebote vernetzt. Mit integriert ist im von der Kommune unweit der Nordseeküste als Träger in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule Aurich-Norden organisierten Treffpunkt ein Seniorenservicebüro. Ebenso verschaffte sich die Lippstädter Sozialdemokratie im Dezember 2010 mit der seinerzeitigen stellvertretenden Vorsitzenden des Lippstädter Jugendhilfe- und Sozialausschusses, Gabriele Oelze-Krähling (1957-2017), über ein vergleichbares Angebot in Paderborn einen Eindruck. Mit dem Motto „Starke Leistung für jedes Alter“ werden in der ostwestfälischen Universitätsstadt in der Regie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ähnliche Aktivitäten wie in Norden vorgehalten. Unter anderem ein Internetcafe, Handykurse mit Schülerpaten, ein Elterncafe sowie ein Leih-Oma und Leih–Opa-Dienst. Zur aus Lippstadt angereisten Delegation gehörten auch Stefan Goesmann, Geschäftsführer des für die Stadt an der Lippe zuständigen Unterbezirks der AWO, und Meinolf Köller, kaufmännischer Geschäftsführer der GWL (Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Lippstadt, inzwischen umfirmiert in Grundstücks- und Wohnungsbau GmbH Lippstadt). Ähnlich wie der Treffpunkt im Nordwesten von Deutschland hat die gleichfalls im Hochstift täglich geöffnete Begegnungsstätte einen gut erreichbaren Standort. Er befindet sich in der Nähe zum „Liboriberg“. Jene Meile in Paderborn, die im Juli bei der großen Sommerkirmes in der Domstadt auch für viele Lippstädterinnen und Lippstädter eine besondere Anziehung darstellt.

Auskünfte zum Alltag im „Leo“ bekamen die Gäste aus Lippstadt, Meinolf Köller und Gabriele Oelze-Krähling, von Ursula Hoentgesberg. Sie leitete damals den Treffpunkt der AWO in der Domstadt und wurde inzwischen zur Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Paderborn befördert.
Aufschlüsse
Die von den Lippstädter Sozialdemokraten aus Norden und Paderborn eingeholten Aufschlüsse präsentierten sie am dritten Wochenende im Januar 2011 beim „Markt der Möglichkeiten“ an ihrem Informationsstand. Ebenso in einer von ihnen eigens in der Volkshochschule im Wohnpark Süd ausgerichteten und gut besuchten öffentlichen Veranstaltung „Mehrgenerationenhaus – eine Chance für Lippstadt“. Dabei stellte Ursula Hoentgesberg, Leiterin des Paderborner Mehrgenerationentreffpunkts, mit ihrem Referat „Was kann ein Mehrgenerationenhaus bieten?“ die vielen im Haus in der ostwestfälischen Großstadt vorgehaltenen Angebote vor. Und der AWO-Geschäftsführer in der Region von Lippstadt, Stefan Goesmann, betrachtete in seinem Vortrag „Was will ein Träger eines Mehrgenerationenhauses bewirken?“ ein mögliches Engagement des von ihm vertretenen Verbandes. Für die GWL, deren Gebäudebestand in 2011 mit dem „Mikado“ und dem „Treff im Park“ im Süden bereits zwei Begegnungszentren im Portfolio hatte, schilderte der Geschäftsführer Meinolf Köller, wie in Lippstadt ein Mehrgenerationenhaus entstehen kann. Er favorisierte als möglichen Standort die Innenstadt und den Norden. Die Tageszeitung Der Patriot titelte ihren Beitrag am Dienstag, 18. Januar 2011, über den Dialog der Sozialdemokraten beim „Markt der Möglichkeiten“ mit den Zeilen Großfamilie wiederbeleben – SPD regt ein Mehrgenerationenhaus für die Kernstadt an: Unter einem Dach können Alt und Jung die Freizeit verbringen und sich gegenseitig helfen.

Der Ratsherr Udo Strathaus empfing am Informationsstand der SPD beim „Markt der Möglichkeiten“ in der Volkshochschule Ursula Hoentgesberg aus Paderborn. Die Sozialpädagogin stellte in der öffentlichen SPD-Veranstaltung das von ihr damals geleitete „Leo“ im Hochstift mit seinen Angeboten für die Mehrgenerationenarbeit überzeugend vor.
Gesprächsrunden
In der Folge entwickelten sich in Lippstadt mehrere Gesprächsrunden, um die beim „Markt der Möglichkeiten“ im Januar 2011 aufgeworfenen Ideen zu konkretisieren. Daran beteiligten sich sowohl Kommunalpolitiker unterschiedlicher Couleur als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Lippstadt. Darüber hinaus Repräsentanten der kirchlichen Glaubensgemeinschaften, Sozialverbände und der GWL. Unter ihnen waren auch Personen, die mittlerweile in den beruflichen Ruhestand gewechselt sind. Unter anderem die einstigen städtischen Fachbereichsleiter Wolfgang Roßbach und Manfred Strieth sowie die Fachdienstleiter Werner Kalthoff und Klaus Rennkamp. Überdies wurde im Zuge des landesweiten Projektes „Familiengerechte Kommune“, an dem sich die Stadt Lippstadt seit Jahren beteiligt, gleichfalls das Projekt „Mehrgenerationentreffpunkt“ verfolgt. Für die im November 2018 zum dritten Mal vorgenommene Zertifizierung der Stadt Lippstadt als „Familienfreundliche Kommune“ war die in 2017 geschaffene Einrichtung eines Mehrgenerationentreffpunkts im „Mikado“ gewiss ein wichtiger Baustein.
Trägerschaft
Durch die Auflage des dritten Programms des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Förderung von Mehrgenerationenhäusern (Mehrgenerationentreffpunkte) in Deutschland konnte im Jahr 2017 die sieben Jahre währende Debatte für einen Mehrgenerationentreffpunkt in Lippstadt zum vorläufigen Abschluss gebracht werden. Dazu hatten die kommunalpolitischen Gremien – Jugendhilfe- und Sozialausschuss sowie Stadtrat – mit der Einstellung von Komplementärmitteln der Stadt Lippstadt in den Etat 2017 grünes Licht für den aus der Bundeskasse geförderten Mehrgenerationentreffpunkt gegeben. Dennoch waren damit noch nicht alle Probleme für den in 2017 vorgesehenen Start ausgeräumt, da sich die örtlichen Sozialorganisationen scheuten, eine Trägerschaft für einen Mehrgenerationentreffpunkt zu übernehmen. Deshalb trat die Stadt Lippstadt als alleiniger Betreiber für den in 2017 errichteten Mehrgenerationentreff im bereits vorhandenen Zentrum „Mikado“ im Wohnpark Süd auf den Plan. In der Rückschau letztlich die effektivere Entscheidung. Die Headline nach der definitiven Bekanntgabe des Zentrums „Mikado“ als Mehrgenerationentreffpunkt in der Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschusses im Januar 2017 in der örtlichen Tageszeitung Der Patriot am Freitag, 29. Januar 2017, lautete: Mikado wird Treff für alle.

Förderung
Vom Soziologen Max Weber (1864-1920) stammt die oft zitierte Bemerkung, wonach die Politik „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“ ist. Eine Bewertung, die für den im Frühjahr 2017 nach siebenjähriger Diskussion schließlich eröffneten Mehrgenerationentreffpunkt im Wohnpark in Lippstadt fraglos zutrifft. Daran erinnerten auch die Redner beim Empfang der heimischen Sozialdemokratie für den Treffpunkt der Generationen im Juli 2017. Der damalige städtische Fachbereichsleiter Manfred Strieth stellte die gute Erreichbarkeit durch den Öffentlichen Personennahverkehr und die Parkmöglichkeiten rund um das Gebäude heraus. Genauso hätten die enge Nachbarschaft zur Volkshochschule und Musikschule den Ausschlag für den Treffpunkt im „Mikado“ gegeben. Zugleich hatte sich seinerzeitige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Hellmich nachhaltig für die Bundesförderung des Lippstädter „Mehrgenerationenhauses“ (so der offizielle vom Fachministerium in Berlin benannte Begriff) eingesetzt. Er hob in seiner Ansprache das zum 1. Januar 2017 neu aufgelegte Bundesprogramm 2017-2020 für Mehrgenerationenhäuser hervor. Mit ihm wurde auch Lippstadt in die Lage versetzt, eine Einrichtung zu schaffen, die es zuvor im Kreisgebiet schon in Bad Sassendorf und Rüthen gab. Das von Dezember 2013 bis Anfang Juni 2017 von der heutigen Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (SPD) geführte Familienministerium hatte mit Unterstützung des Bundestages die Voraussetzungen für einhundert zusätzliche Häuser der Mehrgenerationenarbeit bewirkt. Dadurch war es möglich, die von den örtlichen Sozialdemokraten seit dem „Markt der Möglichkeiten“ im Januar 2011 favorisierte Idee für einen derartigen Treffpunkt in Lippstadt zu verwirklichen. Augenblicklich in 2026 wird das „Mikado“ als Mehrgenerationenhaus jährlich mit 40.000 Euro durch den Bund gefördert.

Einblicke
Nanni Schütte, die den Treffpunkt im Süden der Lippstädter Kernstadt vom Beginn bis in die Gegenwart mit gewinnendem Einsatz leitet, benannte beim SPD-Empfang im Juli 2017 die abwechslungsreichen und generationenübergreifenden Angebote, die fortwährend erweitert wurden. Unterdessen haben immer mehr Vereinigungen aus dem Stadtgebiet von Lippstadt, das „Mikado“ zu ihrem Versammlungsort erkoren. Von der Ortsgruppe des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) über die Busbegleiter und „Latschen und Tratschen“ bis zu den Seniorinnen und Senioren der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) und weiterer Gemeinschaften. Daneben nahm das Interesse außerhalb von Lippstadt zu, sich über die Aktivitäten im „Mikado“ direkte Einblicke zu verschaffen. So im November 2017 der Vorstand des AWO-Kreisverbandes Soest und im Juni 2023 der SPD-Politiker Lothar Binding aus Heidelberg, von 1998 bis 2021 Mitglied des Bundestages, als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Seniorinnen und Senioren in der SPD.

Gruppenbild beim Austausch über die Mehrgenerationenangebote im „Mikado“ im Wohnpark Süd mit dem Bundesvorsitzenden der SPD-Senioren, Lothar Binding (links). Mit dabei waren der Fachdienstleiter der Stadt Lippstadt, Frank Osinski, der ehemalige Vizebürgermeister Martin Schulz, die Leiterin des Begegnungszentrum im Wohnpark Süd, Nanni Schütte, die Mitarbeiterin aus dem Büro bürgerschaftliches Engagement der Stadt Lippstadt, Sylvia Helmig, der städtische Fachbereichsleiter für Familie, Schule und Soziales, Manfred Strieth, sowie der Kommunalpolitiker Hans Zaremba.
Archiv-Fotos (6): Sammlung Hans Zaremba
Quartett
Aufgrund der steigenden Nutzung des Hauses im Wohnpark Süd durch verschiedene Organisationen und Privatpersonen, die die Räumlichkeiten für ein Entgelt mieten können, waren spätestens im Jahr 2021 die Kapazitäten im „Mikado“ erschöpft. Da ein Anbau des Hauses in der Goerdelerstraße aus mehreren Gründen nicht in Betracht kam, setzte die SPD in der Sitzung des städtischen Jugendhilfe- und Sozialausschusses am Mittwoch, 25. August 2021, verstärkt auf die Errichtung eines weiteren Treffpunkts im Kernstadt-Norden. Folgerichtig überschrieb die Tageszeitung Der Patriot am Donnerstag, 2. September 2021, ihren Artikel mit der Zeile Zweites Haus am liebsten im Norden. Mit dem fraktionsübergreifenden Antrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Bürgergemeinschaft und Linke wurde das Vorhaben für die nördliche Kernstadt konkreter. Damit konnten die fünf Fraktionen in der Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschusses am Mittwoch, 13. November 2024, vier wesentliche Punkte durchsetzen: Städtische Trägerschaft, Bereitstellung von Mitteln im Haushalt 2025 beziehungsweise die Aufnahme in die mittelfristige Finanzplanung, Aufträge an die Verwaltung für die Präsentation der Umsetzungsschritte im Januar 2025 und eines differenzierten Konzepts im März 2025. In der Begründung ihres Antrags hatten sich die Fraktionen auf eine Empfehlung des Lippstädter Stadtrates vom 20. Juni 2022 bezogen. Mit ihr wurde zur Teilnahme der Stadt Lippstadt am landesweiten Wettbewerb zur Zertifizierung als „Familiengerechte Kommune“ die Entstehung eines Zentrums für die Mehrgenerationenarbeit im Norden der Lippstädter Kernstadt als Zielsetzung formuliert. Die wesentlichen Grundlagen für das richtungsweisende Votum des Fachausschusses vom 13. November 2024 hatte bei mehreren Terminen das aus Wilhelm Glarmin, Geschäftsführer der Lebenshilfe in Lippstadt, Meinolf Köller, Geschäftsführer der GWL (Grundstücks- und Wohnungsbau GmbH Lippstadt), Manfred Strieth, Leiter des städtischen Fachbereichs für Familie, Schule und Soziales, sowie Hans Zaremba als Kommunalpolitiker bestehende Quartett erarbeitet.

Diese Skizze mit der zeichnerischen Darstellung des in der Beckumer Straße geplanten Begegnungszentrums wurde zur Beschlussfassung des Rates der Stadt Lippstadt der vorgestellten Konzeption der Sitzungsvorlage entnommen.
Quelle: GWL
Bemerkung des Verfasser
Der vorstehende Beitrag ist heute am Samstag, 11. April 2026, von der Publikation Heimatblätter mit der Tageszeitung Der Patriot veröffentlicht worden.



