Drei Sozialdemokraten aus Lippstadt

Die Vorgänger des (neuen) Bundestagsabgeordneten Wolfgang Hellmich

Jetzt, wo Lippstadt und die heimische Region mit dem Bad Sassendorfer Wolfgang Hellmich, wieder mit einen Sozialdemokraten im Deutschen Bundestag vertreten ist, erinnern sich auch etliche Genossinnen und Genossen an seine sozialdemokratischen Vorgänger im Parlament der Bundesrepublik Deutschland. Bei aller Verschiedenheit der ehemaligen Abgeordneten Jakob Koenen (1953 bis 1969), Engelbert Sander (1969 bis 1976 sowie 1978 bis 1987) und Eike Hovermann (1995 bis 2009) war für sie über ihre SPD-Zugehörigkeit hinaus die Kommunalpolitik der Ursprung ihres Engagements.

Jakob Koenen: 
Lippstädter Bürgermeister von 1948 bis 1974 und Bundestagsabgeordneter im Bonner Parlament von 1953 bis 1969.

Jakob Koenen

Jakob Koenen (geboren am 5. Juni 1907 in Lippstadt und verstorben am 16. Januar 1974 in seiner Geburtsstadt) war der erste Sozialdemokrat, der aus Lippstadt in den Bundestag gewählt wurde. Die Zugehörigkeit des populären Politikers in der damals in Bonn beheimateten Volksvertretung erstreckte sich von der zweiten Wahlzeit im Herbst 1953 bis zum Ende der fünften Legislaturperiode im Jahr 1969. Der große Mann der Lippstädter Sozialdemokratie gelangte mit der Bundestagswahl am 6. September 1953 gemeinsam mit einem anderen herausragenden SPD-Politiker, dem späteren Kanzler Helmut Schmidt, in das Parlament am Rhein. Der legendäre Bürgermeister aus Lippstadt übte seine Funktion als Abgeordneter in Bonn parallel zu seiner Aufgabe als ehrenamtliches Lippstädter Stadtoberhaupt aus. Derartige Doppelmandate im Bund und in der Kommunalpolitik waren zu jener Zeit keine Seltenheit. Ein bleibendes Werk der gleichzeitigen Tätigkeit von Jakob Koenen in Bonn und in Lippstadt ist der Bau der Bundesstraße 55, der sogenannten Umgehungsstraße, die am 15. Oktober 1960 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Durch diesen vor über 50 Jahren erstellten Straßenzug östlich der Kernstadt konnte der Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herausgenommen werden, der bis dato vom Südertor in nördlicher Richtung durch die Lange Straße und Wiedenbrücker Straße und umgekehrt von ihr durch die Nord-, Cappel- und Blumenstraße zum Südertor geleitet wurde.

Bundestagswahlkampf 1976: 
Damals kam das Urgestein der deutschen Sozialdemokratie, der 1990 verstorbene Herbert Wehner, zur Unterstützung von Engelbert Sander (links) in dessen Wahlkreis.

Engelbert Sander

Engelbert Sander (geboren am 30. Januar 1929 in Schweskau/Niedersachsen und verstorben am 17. April 2004 in Lippstadt) war in zwei Abschnitten (1969 bis 1976 sowie als Nachrücker von Mai 1978 bis zum Ende der Periode 1983 bis 1987) im Bundestag. Der langjährige Erste Bevollmächtige der Industriegewerkschaft Metall (IGM) in Lippstadt erlebte die SPD mit den Kanzlern Willy Brandt (1969 bis 1974) und Helmut Schmidt (1974 bis 1982) sowohl in der Regierung als auch in Opposition. Mit Herbert Wehner und Hans-Jochen Vogel lernte er auch zwei bedeutende Chefs der SPD-Bundestagsfraktion kennen und schätzen. Wie sein Vorgänger aus Lippstadt in Bonn, Jakob Koenen, kam auch Engelbert Sander jeweils über die SPD-Landesliste in das Parlament am Rhein. Besonders geprägt hat ihn der Aufbruch mit dem ersten Bundeskanzler aus der SPD, Willy Brandt, was der Sozialdemokrat und Gewerkschaftler nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag schilderte. Auch Engelbert Sander kam über die Kommunalpolitik in die Bundespolitik. Er zählte zu den wenigen Akteuren, die gleichzeitig in drei Vertretungen (dem Lippstädter Stadtrat von 1961 bis 1975, dem ehemaligen Kreistag Lippstadt von 1969 bis 1975 und nach der kommunalen Neuordnung von 1975 dem Kreistag Soest von 1975 bis 1981) mitwirkten.

Aufbau von Kontakten: 
Christophorushaus“ in Lippstadt, einer Einrichtung des Gelsenkirchener Sozialwerkes St. Georg. Dazu war auch sein unmittelbarer Lippstädter SPD-Vorgänger im Bundestag, Eike Hovermann (links), erschienen. Mit auf dem Bild aus dem Jahr 2009 sind Dieter Czagolla, Vorstandssprecher des Sozialwerkes St. Georg, Rosi Schmidt, damals Leiterin des „Christophorushauses“, und Heinz Gerling, stellvertretender Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Sozialwerkes und ehemaliger Ratsherr der Stadt Lippstadt. Archiv-Fots (3): Sammlung Hans Zaremba

Eike Hovermann

Eike Hovermann (geboren am 27. Mai 1946 im heutigen Lippstädter Stadtteil Eickelborn) begann ebenfalls seinen politischen Weg in Lippstadt, wo er von 1979 bis 1994 dem Stadtrat angehörte. Zudem war er viele Jahre Overhagener Ortsvorsteher und von 1989 bis 2004 Mitglied des Soester Kreistages. Zum ersten Mal kandidierte Eike Hovermann, ursprünglich Genosse der Kernstadt-SPD und mit der Bildung des SPD-Ortsvereins in Overhagen am 19. Januar 1990 Mitglied dieser Gliederung, bei der Wahl am 16. Oktober 1994 für das noch in Bonn ansässige gesamtdeutsche Parlament. Sein damaliger Platz auf der SPD-Liste reichte jedoch nicht zum unmittelbaren Einzug in den Bundestag aus. Am 13. Januar 1995 rückte er nach und konnte bei der Wahl am 27. September 1998 zum ersten Mal in der SPD-Geschichte im heimischen Bundestagswahlkreis ein Direktmandat für die SPD gewinnen. Er war somit Mitglied der SPD-Fraktion, die am 27. Oktober 1998 mit den Grünen das Mitglied des Bundestages aus der SPD, Gerhard Schröder, zum siebten deutschen Bundeskanzler wählte. Ebenso gehörte der einstige Gymnasiallehrer zu jenen Abgeordneten, die von Bonn nach Berlin umzogen und die SPD im Bundestag in der Opposition (1995 bis 1998), als führende Regierungspartei (1998 bis 2005) und in der großen Koalition (2005 bis 2009) begleitete. Bei den Wahlen am 22. September 2002 und 18. September 2005 erfolgte der Einzug von Eike Hovermann in den Bundestag jeweils über die SPD-Landesliste.

Quellenangabe

Dieser Beitrag wurde mit dem Nachrücken von Wolfgang Hellmich in den Bundestag im Juni 2012 für das Internet von Hans Zaremba veröffentlicht.