Oliver Bertelt: Gewerkschaftler und Sozi

Nach der Gebietsneuordnung von Lippstadt am 1. Januar 1975 war von dem im Mai 1975 gewählten Stadtrat für die Zeit von 1975 bis 1979 auch das Ortsrecht für die von zirka 40.000 auf rund 65.000 Einwohnerinnen und Einwohner vergrößerte Stadt Lippstadt anzupassen. Damit sollte den Herausforderungen der Integration der bis Ende 1974 eigenständigen Gemeinden Benninghausen, Bökenförde, Cappel, Dedinghausen, Eickelborn, Esbeck, Garfeln, Hellinghausen, Herringhausen, Hörste, Lipperode, Lohe, Overhagen, Rebbeke und Rixbeck sowie Teile von Liesborn (Bad Waldliesborn) und Ermsinghausen (Gut Schwarzenraben) in die Stadt Lippstadt entsprochen werden.  Dazu gehörte auch die Wahl von Ortsvorstehern in den 1975 zu Lippstädter Ortsteilen gewordenen einstigen ländlich gegliederten Kommunen.

Ortsvorsteher seit dem Herbst 2020

Lippstadt am Samstag, 15. März 2025:
An diesem Tag startete die SPD mit Oliver Bertelt (vorne links im Bild) als Spitzenbewerber ihre Kampagne für die Ratswahl am Sonntag. 14. September 2025.
Archiv-Foto: Hans Zaremba

Ende der CDU-Mehrheit

Es verwunderte nicht, dass aufgrund der langjährigen Mehrheitsverhältnisse in den Dörfern rund um die vormalige Kreisstadt mit Vorteilen für die CDU das Gros der ab 1975 eingesetzten Ortsvorsteher von der Union gestellt wurde. Es waren wenige Ausnahmen, wo mit den Jahren infolge ihrer Popularität und ihres Engagements Sozialdemokraten die Funktionen der „Dorfbürgermeister“ einnehmen konnten. Ihre Namen in den ersten Jahren nach der Neuordnung erstrecken sich vom letzten Bürgermeister von Lipperode, Fritz Kötter (1929-1994) über Klaus Helfmeier (1941-2012) in Cappel und Horst Schneider (1933-2015) für den Lipperbruch bis zu Herbert Heiermeier (Esbeck) sowie Eike Hovermann (Overhagen). Später kamen Hans-Joachim Kayser (Overhagen), Otto Brand (1949-2020) in Lipperode und Gunther Schmich (Lipperbruch) und der Esbecker Thomas Morfeld hinzu. Mit Oliver Bertelt, um den es in diesem Beitrag vorrangig geht, gelang es bei der Ratswahl im September 2020 zum ersten Mal einem Sozialdemokraten im über 45 Jahre  von der CDU dominierten Benninghausen die als Ehrenbeamter ausgeübte Funktion des Ortsvorstehers zu ergattern. Dabei entfielen auf den SPD-Mann 32,5 Prozent, während sich der CDU-Konkurrent mit 27,7 Punkten begnügen musste. Im September 2025 war der Abstand für Oliver Bertelt mit 39,3 Prozent gegenüber dem CDU-Bewerber (22,9 Anteile) noch klarer. Im Rahmen der Vereidigung der Ortsvorsteher am Samstag, 22. November, durch den Bürgermeister Alexander Tschense wurde dem 53 Jahre alten Ratsherrn zum zweiten Mal während seiner Tätigkeit in der Lokalpolitik die Ernennungsurkunde überreicht.

Lippstadt am Samstag, 22. November 2025:
Oliver Bertelt unterzeichnet die Entgegennahme der Ernennungsurkunde für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Ortsvorsteher in und für Benninghausen während der Periode des Lippstädter Stadtrates in den Jahren von 2025 bis 2030.
Foto: Pressestelle der Stadt Lippstadt

Wurzeln

Nach Hans-Joachim Kayser (Overhagen) und Thomas Morfeld (Esbeck) ist Oliver Bertelt aus Benninghausen in der Geschichte der Lippstädter SPD-Ratsfraktion ihr dritter Vorsitzender, der zugleich Ortsvorsteher ist. Infolge des Einzuges von Jens Behrens in den Deutschen Bundestag im Februar 2025 wurde der Sozialdemokrat aus Benninghausen im April 2025 zum neuen Vormann der SPD-Fraktion gewählt. Nach der Kommunalwahl im September 2025 repräsentiert Oliver Bertelt gemeinsam mit dem Lipperbrucher Mathias Marx als Co-Vorsitzende die aus sieben Frauen und sieben Männern bestehende SPD-Stadtratsfraktion. Der gelernte Tischler, verheiratet und Vater von zwei Kindern, ist momentan einer der wenigen Gewerkschaftssekretäre, die sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagieren. Für Oliver Bertelt, seit etlichen Jahren hauptamtlicher Sekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di), bestimmen damit die gemeinsamen Wurzeln von Gewerkschaften und Sozialdemokratie seine tägliche Arbeit. Übrigens, als sich infolge der kommunalen Gebietsneuordnung des Jahres 1975 der Stadtrat in Lippstadt und der Kreistag für die heimische Region konstituierten, waren derartige Verbindungen noch wiederholt anzutreffen. So gehörten der Erste Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall (IGM) an der Lippe, Engelbert Sander (1929-2004), neben seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter sowie der Geschäftsführer der damaligen ÖTV (Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr) in Lippstadt, Hermann Schuchtrup (1928-1995), neben ihren beruflichen Jobs zugleich als ehrenamtliche Mitglieder dem Kreistag an. Ähnlich wie der hauptamtliche IGM-Sekretär Werner Franke (1928-2006), der in 1975 Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion Lippstadt war.

Hans Zaremba