Was viele Beobachterinnen und Beobachter vermutet hatten, ist bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen am Sonntag, 14. September 2025, nicht eingetroffen: Ein prophezeites katastrophales Ergebnis von unter 20 Prozent für die Sozialdemokratie. Weder im Landesdurchschnitt noch in Lippstadt für die Struktur des Stadtrates für die kommende Periode von November 2025 bis in den Herbst 2030.
Resultate der Wahl des Rates am 14. September

Der Esbecker Ortsvorsteher Thomas Morfeld bei seiner Ankunft am Informationsstand seiner Partei vor dem Rathaus. Bei der Wahl des Stadtrates am Sonntag, 14. September, gelang ihm als einzigen Sozialdemokraten der Gewinn eines Direktmandates in der künftigen Ratsversammlung.
Foto: Karl-Heinz Tiemann
Ausgleichsmandate
Dennoch sind die Resultate der Sozialdemokratie und auch die Ergebnisse für die Union vom 14. September alles andere als schmeichelhaft. Auf Landesebene kam die CDU auf 33,3 Prozent (in Lippstadt: 34,4 Prozent) und die SPD auf 22,1 Prozent (in Lippstadt: 22,5 Prozent). Die beiden weiterhin führenden Parteien im Stadtrat mussten jeweils Verluste hinnehmen: Die CDU von 1,2 Prozent (im Land: 1,0 Prozent) und die SPD gar 3,9 Prozent (im Land: 2,2 Prozent). Ebenso blieben das Bündnis 90/Die Grünen, das auf 10,3 Prozent (2020: 15,3 Prozent) kam, sowie die FDP mit 4,2 Prozent (2020: 5,8 Prozent) und die CDL bei 1,7 Prozent (2020: 2,3 Prozent) hinter ihren Stimmanteilen von vor fünf Jahren. Dafür punkteten die AfD mit 14,4 Prozent (2020: 5,3 Prozent), BG: 6,4 (2020: 5,7 Prozent) und die Linkspartei: 4,2 Prozent (2020: 3,7 Prozent) sowie das erstmals angetretene BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) mit 2,0 Prozent. Folglich setzt sich der künftige Lippstädter Stadtrat wegen der insgesamt 21 CDU-Direktmandate (deutlich mehr wie ihr prozentualer Anteil von 33,3 Prozent nach dem Ergebnis vom 14. September) mit seinen Ausgleichsmandaten aus insgesamt 62 Personen zusammen.

Am Tag vor der Ratswahl boten die Sozis am Infostand mit ihrem Spitzenkandidaten für den Stadtrat, Oliver Bertelt, Bratwürstchen an. Durch seine Bestätigung im Stimmbezirk Benninghausen wird der Sozialdemokrat dort Ortsvorsteher bleiben.
Foto: Thomas Morfeld
Gemengelage
Durch diese Konstellation besteht im künftigen Stadtrat eine schwierige Gemengelage. Speziell durch die Zunahme der Rechtspopulisten von bislang drei auf demnächst neun Sitzen. Die insgesamt 62 Mandate (die gleiche Anzahl wie in 2020, als auch damals infolge der überproportionalen CDU-Direktmandate der Rat von 50 auf 62 Sitze vergrößert werden musste) teilen sich wie folgt auf: CDU: 21 (zuvor in 2020: 22), SPD: 14 (16), Bündnis 90/Die Grünen: 6 (10), FDP: 3 (4), BG: 4 (4), AfD: 9 (3), Linke: 3 (2), CDL: 1 (1) und BSW: 1 (0). Für den in der Stichwahl zum Bürgermeister zu bestimmenden Anwärter aus der CDU und SPD keine einfache Situation, bei kniffligen Entscheidungen breite Mehrheiten zu finden. Ob es im demnächst – wie weiland von 2014 bis 2020 – im Rat der Stadt Lippstadt wieder zu einer verlässlichen Kooperation zwischen den stärksten Fraktionen von CDU (21 Sitze) und SPD (14) kommt, ist gegenwärtig nur schwer einzuschätzen. Viel wird von der personellen Ausrichtung der neuen CDU-Fraktion und bei ihr insbesondere die Verarbeitung des Verlustes des Bürgermeisteramtes abhängen.
Analyse
Ebenso wird die Sozialdemokratie ihre Ergebnisse bei den Ratswahlen gründlich zu analysieren haben, da sie überraschend in Lipperbruch ein sicher geglaubtes Direktmandat (Gunther Schmich) und somit auch die Funktion des Ortsvorstehers verloren hat. Darüber hinaus gelang es der SPD am 14. September nicht, sich in ihren einstigen Hochburgen Lipperode und Overhagen nach den Rückschlägen in 2020 wieder an die Spitze zu setzen.
Hans Zaremba


